Marlies Ferber
 Meine kurzen Geschichten
"Elf Uhr elf"

Erstveröffentlichung: Urlaubslesebuch. Geschichten für die Ferien. Hg. Karoline Adler, dtv 2018

Eine Bahnreise, eine Zufallsbekanntschaft und ein unheimliches Rätsel.

"Ich sehe jeden Tag zur selben Zeit auf die Uhr", unterbrach er mich heftig. "Es macht mich wahnsinnig. Deshalb trage ich keine Uhr. Wenn ich eine Armbanduhr trage, sehe ich jeden Tag exakt um elf Uhr elf auf die Uhr. Jeden Tag! Jeden Tag, elf Minuten nach elf. Es hat einen Grund, dass das passiert, da bin ich mir sicher. Wenn ich nur wüsste, welchen."

 
"Hühner und die Folgen"

Erstveröffentlichung: Landlust, Ausgabe Mai/Juni 2019.

Eine kleine Geschichte über Hühner, weibliche Solidarität und die Folgen ...

 „Phyllis ist brütig“, teilte ich abends meinem Mann das Ergebnis meiner Recherche mit. „Sie will ihre Eier ausbrüten.“ - „Aha“, meinte er. „Dann lass sie am besten auch mal einen Blick in deine schlaue Hühnerfibel werfen, damit sie begreift, dass das nichts wird ohne Hahn.“ - „Sie hatte immer schon so liebe Augen“, sagte ich. „Irgendwie mütterlich. Eine Kollegin von mir hat auch Hühner, mit Hahn. Wir könnten ein paar befruchtete Eier holen und Phyllis unterschieben. “ Er gab keine Antwort. "Sie will unbedingt Mutter werden, findest du das nicht rührend?" -"Nein."- "Schonmal etwas von weiblicher Solidarität gehört?" - "Mit einem Huhn?"

 

 Achtung Hühnerfans: Wer Interesse an dieser Geschichte hat, schicke mir bitte eine Nachricht über das Kontaktformular.

 
"Die letzte Schicht"

Erstveröffentlichung: Urlaubslesebuch. Geschichten für die Ferien. Hg. Karoline Adler, dtv 2019

Eine Bar früh am Morgen an der Riviera und ein aufdringlicher Fremder, der keine Ruhe gibt.

Er blinzelte gegen die schräg am Himmel stehende Morgensonne, schien zu überlegen. „Ich habe zwei Jobs“, sagte er verschwörerisch. „Einen, von dem die Leute wissen und einen, von dem niemand weiß. Welchen soll ich Ihnen verraten?“ - „Keinen.“ - „Das dachte ich mir, dass Sie das sagen.“ Er schüttelte den Kopf. „Natürlich interessiert Sie mein heimlicher Job, aber Sie fragen lieber nicht. Denn Sie wollen mich loswerden. Aber glauben Sie mir, ich kann Ihnen helfen.“ - „Oh ja“, sagte ich. „Sie können mich endlich in Ruhe lassen.“ - „Aber zuerst verrate ich Ihnen meinen heimlichen Job. Ich verrate Ihnen, was ich heute tue, und dann lasse ich Sie in Ruhe. Abgemacht?“